Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit Micha (nicht sein richtiger Name) aus einem der Kibbuzim an der Grenze zum Gazastreifen. Vor dem Krieg erzählte er mir seine Geschichte. Ich durfte nicht darüber schreiben, denn alles, was er tat, taten er und einige andere im Geheimen, wegen der Hamas. Ich fühlte mich privilegiert, dass er mir seine Geschichte anvertraute. Ich hatte großen Respekt vor diesem Mann, der jahrelang daran gearbeitet hatte, Frieden mit den Nachbarn in Gaza zu schließen. Er und viele andere haben ihre freie Zeit investiert, um den Menschen auf der anderen Seite der Grenze eine Chance zu geben. Heute kann ich das nachvollziehen. Sein ganzes Projekt ist am 7. Oktober zusammengebrochen.
Micha und viele andere an der Grenze zu Gaza gaben ihr Leben für die Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Micha stand in Kontakt mit Geschäftsleuten in Gaza. Er versuchte, ein Programm für eine Gruppe junger Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren einzurichten, die keine Arbeit und keine Zukunft hatten. Es sollte Programme geben, in denen sie lernten, die Erde zu bearbeiten, und es sollte Bildung in verschiedenen Richtungen vermittelt werden. Er hoffte so, diesen jungen Menschen in Gaza Hoffnung für die Zukunft geben zu können. Deshalb holte er sogar Gruppen von Arabern aus dem Gazastreifen zu einem Besuch nach Israel. Die Geschäftsleute in Gaza, mit denen er in Kontakt stand, wollten zu diesem Zweck mit ihm zusammenarbeiten. (Zumindest dachte er das.)

Nach dem 7. Oktober habe ich viel an ihn gedacht, konnte ihn aber nicht erreichen. Jetzt traf ich Micha wieder, müde, erschöpft und unglaublich enttäuscht, aber kämpfend, um den Kibbuz wieder aufzubauen und dem Trauma einen Platz zu geben.
Ich fragte ihn, wie er sich nach dem 7. Oktober fühlt. Er ging nicht näher darauf ein, sondern sagte nur: „Solange sie ihre vierjährigen Kinder eintrichtern, uns zu töten, gibt es keine Chance. Wenn die Kinder einen anderen Lehrstoff erhalten, können wir es vielleicht in 20-30 Jahren noch einmal versuchen. Wir dachten hier, dass auf der anderen Seite vielleicht 30.000 fanatische Hamas-Mitglieder leben, aber ich sage jetzt, dass ganz Gaza zur Hamas gehört.“
Hilfe für diese jüdischen Kibbuzim an der Grenze zu Gaza (wo die roten Punkte erscheinen)

An der Grenze zum Gazastreifen leben die unterschiedlichsten Menschen, und wir helfen sowohl religiöse Kibbuzim als auch säkulare Dörfer, was sehr interessant ist und uns – hoffentlich – in der Mitte hält. Politik ist einfach ein Teil des Lebens hier. Entweder man ist damit einverstanden oder nicht. Daran ist an sich nichts auszusetzen. Deshalb ist es vor allem für Menschen, die nicht hier leben, aber trotzdem glauben, mehr zu wissen, gut, nicht für rechts oder links zu beten, sondern dafür zu beten, dass Gerechtigkeit geschieht.
Da ich mit so vielen dieser wunderbaren Menschen zu tun habe, schaue ich auf ihre Herzenseinstellung. Ich habe großen Respekt vor meinen Freunden an der Grenze zum Gazastreifen, die immer die Hoffnung bewahrt haben und nie mit Hass über die Menschen in Gaza gesprochen haben. Außerdem haben viele von ihnen Schuldgefühle, weil sie 23 Jahre lang die Raketen aus Gaza über sich ergehen lassen mussten und Israel nichts unternommen hat. Eine Sache ist klar. Alle Geiseln müssen so schnell wie möglich zurückgebracht werden, koste es, was es wolle. Wie gebrochen die Menschen sind, aber zugleich auch wie unglaublich stark.

Was für ein unglaubliches Privileg, dass wir als Stiftung diesen Menschen dann so nahe kommen dürfen; einen Arm, durch Wort und Tat, um ihre Schultern legen. Yad L‘ Ami = eine helfende Hand für Mein Volk.
Was für schöne Projekte haben wir in der letzten Zeit bereits gemacht. Bei der Obsternte, beim Putzen oder beim Verpacken von Gemüse konnten wir eine Menge Hilfe leisten. Sogar ein großes Projekt wurde in Angriff genommen, als am 5. Januar 8 Männer aus den Niederlanden kamen, um einen der Kibbuzim, nahe der ägyptischen Grenze, in dem nach dem 7. Oktober kein Leben mehr zu finden war, wiederzubeleben. Einige Männer berichten von ihren Erfahrungen.
Arjen Fennema, Gartenarchitekt und Vorstandsmitglied, schreibt:

„Dankt dem HERRN, ruft seinen Namen an, macht unter den Völkern seine Taten bekannt! Singt ihm, lobsingt ihm, redet von allen seinen Wundern! Rühmt euch seines heiligen Namens! Es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen.“ (Psalm 105, 1-3 SLT)
Was für eine schöne, gesegnete, ermutigende und erbauliche Woche, die wir miteinander im Kibbuz Sufa verbrachten! Die Gruppe bestand aus acht Niederländern und vier Israelis.

Das Grünprojekt begann im Waffenlager des Kibbuz, das wir, wegen der Schrecken vom 7. Oktober, in grün, d.h. in hohem Bambus, blühenden Topfsträuchern und eine aufgebaute Pergola „verpackten“. Entlang des Weges zu den Kindergärten wurde ein Sukkulenten Garten angelegt. Um die Gebäude herum legten wir einen Garten mit Spalier Obstbäumen, farbenfrohen und duftenden Staudenbeeten an, in denen das ganze Jahr über verschiedene Pflanzen und Blumenzwiebeln blühen. Und ein Heilgarten wurde angelegt mit duftenden Zitrusfrüchten, Jasmin, Stephanotis (Kranzschlinge) und einer farbenfrohen, Schmetterlinge anlockenden Bepflanzung.
Im Spielbereich des Kindergartens wurde außerdem ein große Holzterrasse gebaut. Die Gärten, die die Kindergärten umgeben, sind durch einen Garten mit „Inseln“ aus blühenden Stauden verbunden.
Es war bewegend zu sehen, wie eine Gruppe von Männern aus den Niederlanden nach Israel kam, um beim Wiederaufbau und der Bepflanzung eines verlassenen und zerstörten Kibbuz zu helfen. Ich erlebte, wie wir gemeinsam dieses Projekt unter Gottes väterlichen, schützenden Flügeln durchführen durften. Er leitete das Projekt und formte uns von Anfang an zu einem engen und liebevollen Team, trotz unterschiedlicher Herkunft und Alter (18-63 Jahre!). Das machte es möglich, dieses riesige Gartenprojekt in 5 Tagen zu realisieren!
Wir beten, dass dieses Projekt dazu beitragen möge, dass die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können und dass die blühenden, duftenden Gärten heilsam und ein Segen sein mögen!



Freiwilliger Helfer, Thom Holtland (21 Jahre)
Ich habe unterschätzt, welche Auswirkungen dieses Projekt auf die Menschen in Sufa und auf mich selbst hat. Wir konnten die schöne Arbeit hinter uns lassen und den Kibbuz ein bisschen mehr zu einem Zuhause machen. Vor der Reise konnte ich mir nicht vorstellen, wie es ist, in einem Krieg zu leben. Nachdem ich die Orte gesehen und die beeindruckenden Geschichten über den 7. Oktober gehört habe, kann ich es mir eigentlich immer noch nicht vorstellen. Der Schmerz, die Traurigkeit und die ständige Bedrohung bleiben für mich unwirklich. Ich werde es nie ganz verstehen, denn ich bin in einem sicheren Land ohne Krieg und Gewalt aufgewachsen. Dennoch empfinde ich diese Reise als ungemein wertvoll. Ich bin sehr dankbar, dass wir den Menschen dort nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten unsere Unterstützung zeigen konnten.
Freiwilliger, Albert Flieger (durfte seinen 40. Geburtstag in Israel feiern)
Eine Woche lang Gelegenheitsarbeiten im Kibbuz Sufa zu erledigen, ich wäre selbst nie auf den Gedanken gekommen.
Um ehrlich zu sein, konnte ich die Frage, ob ich eine Woche lang in Israel mithelfen wollte, schnell beantworten. Natürlich, denn was hat das israelische Volk schon alles Schreckliches durchmachen müssen.
Die Arbeitswoche: Wir waren so gesegnet mit dem wunderbaren Gärtner Arjan Fennema. Alles war bis ins kleinste Detail vorbereitet, und wir konnten direkt mit der Arbeit anfangen. Bei 22 Grad in der Sonne war es eine wunderbare Arbeitswoche mit 11 starken Jungs.
In dieser Woche haben wir gelacht, gebetet, geweint und eine Menge Arbeit zusammen verrichtet. All das, weil diese Männer und ich stolz sind auf Gottes verheißenes Land und auf sein Volk Israel, in das wir eingepfropft werden durften. Das erfüllt einem mit Freude. Ich habe viele dankbare und liebevolle Menschen kennengelernt.
Danke an Yad L‘ Ami, die uns die Möglichkeit gegeben hat und an alle, die unseren Aufenthalt ermöglicht haben.

Amit Weitz – Direktor der Sufa-Gemeinschaft,

Wir bringen unsere tiefe Wertschätzung für das Engagement von Yad L’Ami und ihren kontinuierlichen Beitrag für die Gemeinschaft des Kibbuz Sufa in verschiedenen Bereichen zum Ausdruck. (Einrichtung der vollständig zerstörten Versammlungsräume)
Insbesondere danken wir den Freiwilligen aus den Niederlanden für ihre Arbeit. Diese wertvollen Menschen haben ihre Heimat und ihre Familien für ein wichtiges Ziel verlassen: den Wiederaufbau unseres Kibbuz. Während ihres Aufenthalts arbeiteten sie fleißig daran, eine Pergola zu installieren, eine Holzterrasse zu bauen und die Landschaft des Kibbuz wiederherzustellen. Das Gefühl, dass Menschen aus dem Ausland sich freiwillig melden und ihre wertvolle Zeit für unsere Gemeinschaft opfern, stärkt uns und gibt uns Hoffnung. Ihre harte Arbeit ist eine weitere Säule zur Stärkung und Wiederherstellung unseres Kibbuz und trägt zu dem Prozess der Rückkehr der Gemeinschaft in ihre Häuser bei, selbst in diesen komplizierten Zeiten. Mit großer Anerkennung und Dankbarkeit, im Namen der Gemeinschaft des Kibbuz Sufa. (vollständiger Brief hier)
Das war nicht das Ende.
Die Beziehungen gehen weiter. Der Gärtner Atar, der in den Dörfern rund um Gaza arbeitet, lernte Aviva kennen. Aviva und ihr Mann Keith wurden am 7. Oktober als Geiseln aus dem Kibbuz Kfar Aza entführt, wo 64 Menschen auf grausame Weise ermordet und 19 entführt worden waren. Im November wurde Aviva freigelassen, aber Keith musste sie zurücklassen
Keith stand auf der Liste, um in der ersten Phase als einer der Ersten entlassen zu werden, was natürlich nicht geschah, aber in der Zwischenzeit suchte Keiths Frau Hilfe. Das größte Geschenk für Keith wäre, wenn er nach Hause kommen darf, dass er in einem kleinen Garten sitzen kann.

In der Zwischenzeit erreichte Yad L’Ami eine Bitte. Arjen (Vorstandsmitglied) hatte einen anderen Plan. Zusammen mit fünf Freiwilligen aus Dörfern an der Grenze, die alle den 7. Oktober erlebt hatten, machten sie sich um 5 Uhr morgens auf den Weg nach Norden, dort wo Aviva in ihrem Häuschen auf ihren Mann Keith wartete. Der Garten wurde vom Chaos in eine Oase verwandelt. Eine Kräuterecke, Frühlingszwiebeln, Pflanzen und Sträucher, die herrliche Düfte verströmten, eine Terrasse mit zwei Stühlen, ein kleiner Tisch mit Blumen darauf, zwei Gläser und eine Flasche Wein, an der eine Karte von Yad L’Ami befestigt war, „Aus Liebe“. Die Familie war zutiefst berührt, von so viel Liebe. Und dann? Drei Tage später wurde er entlassen, aber zuerst wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst, aber Aviva und ihre Kinder konnten den Ehemann und Vater wieder in die Arme schließen. Wenn er nach Hause kommt, erwartet ihn eine große Überraschung.
Es geht in erster Linie nicht darum, was wir alles tun, sondern um die wertvollen Beziehungen, die dabei geknüpft werden. Wie können wir sonst diesen verwundeten Menschen, die entlassen werden oder ihren Gemeinschaften helfen? Das ist ein Gebetsanliegen, das uns am Herzen liegt, damit wir den richtigen Menschen am richtigen Ort helfen können. Wir freuen uns darauf zu sehen, wie Gott dies weiter tun wird. Psalm 127 sagt: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, dann arbeiten umsonst, die daran bauen;“ (SLT)

Und die Welt schweigt
„Nie wieder!“ wurde Jahre nach dem Holocaust ausgerufen. Wo bleibt das „NIE WIEDER!“? Wieder schweigen die Welt und viele Kirchen und schauen weg.
Dabei hören wir die Geschichten bereits aus erster Hand und können mitfühlen. Jeder in den Dörfern an der Grenze hat oder kennt Menschen, die noch in den dunklen Tunneln sind oder getötet wurden. Wir sehen, wie die Geiseln diese schreckliche Demütigung erleiden müssen, wenn sie freigelassen werden, abgemagert, krank, halb blind wegen der Dunkelheit, in der sie 16 Monate lang verweilten. Am vergangenen Sabbat war das Land sehr schockiert, als wir die Bilder von drei Männern sahen, die zurückkehrten. Aber wer waren die Ausgemergelten, die auf der Bühne standen? Nicht die Hamas, sondern die israelischen Männer. Die Welt fällt auf diese Lüge herein. Ich könnte rund um die Uhr arbeiten, um die NOS und alle Medien zu korrigieren oder zu ergänzen. Allein die Erwähnung des Wortes „Israel“ löst oft hitzige Diskussionen aus.
Israel steht mit dem Rücken zur Wand. Wir alle leben in ständiger Spannung. Wie wird es enden? Werden sie alle an diesem Sabbat freigelassen oder wird die Hamas ihre Versprechen nicht einhalten? Die Armee stationiert sich wieder an der Grenze zum Gazastreifen. Diese Woche gab es eine weitere Warnung vor Infiltration in Yad Mordechai. Eine Freundin, die dort wohnt, sagte, sie habe in dieser Nacht einen schrecklichen Traum gehabt, sie sei im Tunnel gewesen und habe nicht atmen können. Albträume, Traumata und fast jeder, der psychologische Hilfe bekommt.
Unsere Betagten, die einst die Shoa erlebt haben, verstehen nur allzu gut, was diese Menschen durchmachen. Auch für diese Gruppen von Betagten und Shoa-Überlebenden sind wir da. Wir besuchen sie wieder, unsere Adoptivgroßeltern erhalten wie gewohnt ihren Scheck von euch, und demnächst zum Passahfest werden wir, wie alljährlich, Lebensmittelgutscheine an Hunderte von Menschen verteilen.

In der Zwischenzeit haben wir neue Projekte in Angriff genommen, aber dazu mehr beim nächsten Mal. Ich möchte euch noch die schöne Pergola vor der Schule in Sa’ad zeigen, die als zusätzliches Klassenzimmer für den Naturunterricht in der Nähe der Gewächshäuser dient. Hundetherapie, Pferde- und Musiktherapie sind überall in vollem Gange.
Ein weiterer Auszug aus einem schönen Danke Brief der Schule (vollständiger Brief hier)
Mit großer Wertschätzung: Yechezkel Landau – Schulleiter, Idit Chelek & Reut Parnas – Schulberaterinnen
Im Namen der Gemeinschaft der Da’at-Grundschule – unserer Schüler, Lehrer und Eltern – sprechen wir Ihnen unseren aufrichtigen Dank für Ihre kontinuierliche, jahrelange Unterstützung, insbesondere in diesen herausfordernden Zeiten aus.
30 Schüler haben am therapeutischen Reiten teilgenommen, und weitere 30 Schüler werden bald damit beginnen. 75 Schüler erhalten eine Therapie mit Hunden, und weitere 25 Schüler werden in der nächsten Runde dazukommen. Diese Therapien verändern ihr Leben.
Diesmal gibt es viele Nachrichten aus dem Süden, aber so sehen unsere Tage und Nächte aus. Es lässt uns keinen Moment in Ruhe.
Psalm 35 von David, er könnte ihn heute geschrieben haben. Was für erstaunliche Wahrheiten! Er beginnt schon mit dem „Streit“, eine andere Übersetzung sagt: „Herr, rufe zur Rechenschaft“… oder noch einfacher: „Herr, wenn einige mit mir streiten, wirst Du für mich antworten?
Denn ohne Grund haben sie ein Netz für mich gespannt und eine Falle gegraben, um mich zu fangen. Lügnerische Zeugen ergreifen das Wort. Alle sollen sich schämen, die auf meinen Untergang warten, aber alle, die sich nach meinem Freispruch sehnen, sollen sich freuen und Dich groß machen und sagen: Der Herr sorgt sich um das Schicksal seines geliebten Knechtes Israel!“ Frei übersetzt aus Psalm 35
Vielen Dank für die vielen Gebete und finanziellen Beiträge! Wir sind dadurch sehr ermutigt. Schalom an Sie/euch alle aus einem Land, das sich im Krieg befindet, und das nun schon seit mehr als 500 Tagen. Ria Doekes
